Favoritensterben

Jetzt ist es amtlich, Irland, der Hauhohe Favorit, und nach Meinung vieler Experten der kommende Europameister, hat gegen das Kickerkollektiv aus Spanien auch das zweite Spiel verloren und dürfte damit nach dem letzten Spiel gegen Italien die Heimreise antreten.

Dabei sah alles sehr gut aus, wenn man die irischen Zeitungen verfolgt hat, die Irland durchaus Chancen gegen spielerische Kollektive, wie zum Beispiel die Seniorenauswahl der 1960er Mannschaft Russlands zugetraut hat. Allein die Presskonferenz vor dem Spiel gegen Spanien hat uns trunken gemacht und in Gedanken hatten wir schon eine Hand am Pott.
Wie sagte Trapattoni in Anlehnung an seine Sturmrede, “Und diese Torres, hat gespielt bei diese englische Team, aeeeh wie heissen diese Team -Einwurf von seinem Co-Trainer “Chelsea”-, ja Chelsea, hat diese Torres gespielt e’ wie Flasche leer.”
Und wir haben es geglaubt. Ok, nach dem Kroatienspiel, welches wir unglücklich durch zwei klare Abseitstore verloren hatten, waren wir nicht sehr optimistisch, ob wir Spanien schlagen könnten, aber allein unser Coach, und die katholische Kirche, gaben uns den Glauben an den Sieg. Wie wurde es von der Kanzel gepredigt? “Gehet hin und vernichtet diese Spanier!”

Sie haben uns vernichtet und gezeigt, Fussball kann ein Kinderspiel sein, wenn der Gegner es zulässt und wir haben es zugelassen, vier mal. Das Team ist in Ehrfurcht erstarrt, wenn die Spanier mal so eben durch die Defensive marschiert sind, dass sie Beifall geklatscht hätten, lag wohl an der Professionalität und dem Kodex, “man applaudiert dem Gegner nicht.” Also nicht während des Matchs.

Fuer Irland duerfte die EM wohl gelaufen sein, selbst wenn man Italien haushoch schlägt, Kroatien und Spanien wird man nicht einholen.
Auch für die Italiener dürfte die Luft, zwar nicht am Vesuv, jetzt sehr dünn werden. Zwei Mal Unentschieden, müssen die Italiener jetzt das letzte Spiel gewinnen, damit sie wenigstens die Kroaten abfangen können, sollten diese gegen Spanien patzen, wovon ich nach der Partie heute durchaus ausgehe, dass Spanien das Match locker gewinnen wird. Nicht weil die Kroaten so schlecht sind, sondern weil die Ballsportartisten aus Spanien so unglaublich gut sind, trotz Anlaufschwierigkeiten gegen die Italiener.

Schade eigentlich für Irland, aber Hauptsache, man war dabei. In der Heimat warten schon diverse Whiskeys und Pints darauf, die irische Seele zu trösten, denn man darf nicht vergessen, in zwei Jahren ist WM und da fahren wir natürlich als einer der Haushohen Favoriten hin. Sollten wir die in etwa die gleiche Gruppenauslosung haben, dann dürfte es diesmal aber wirklich eng werden…..fuer die Anderen.

Ueberraschungsteam

Zwei Partien hat das Team aus den Niederlanden absolviert und sind, was die Ergebnisse betrifft, zum Úberraschungsteam der EM 2012 avanciert. Überraschend ist, dass die Elftal mit Null Punkten die Tabelle der Gruppe B von hinten anführt. Dabei wurde Holland, wie bei eigentlich jeder EM und WM, als heimlicher Favorit gehandelt.

Überraschend ist auch, dass man so wenig aus seinen Möglichkeiten machen kann, gut, das passiert auch einer Europäischen Spitzenmannschaft, aber Holland? Wer so leichtfertig mit seinen Chancen umgeht, der darf sich am Ende nicht wundern, wenn er sich aus der Vorrunde verabschiedet. Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, wenn man den niederländischen Tageszeitungen glauben darf, aber die Texte sind verhalten resignierend. Und man schaut schon, wer für das Debakel verantwortlich ist. Neben dem Bondscoach und seiner taktischen Aufstellung Arjen Robben.

Entweder hat Robben das Finale gegen Chelsea, und seinen verschossenen Elfmeter nicht überwunden, läuft seiner Form hinterher, oder er agiert so Eigensinnig, wie er zuletzt bei den Bayern agierte. Zu versuchen, im Alleingang mit der Brechstange den Erfolg bekommen, dass geht nur selten gut und Fussball ist und bleibt ein Mannschaftssport. Wie schon Sepp Herberger sagte, “Elf Freunde müsst Ihr sein,” bei den Niederlanden hatte ich eher das Gefühl, es stehen 11 Solisten auf dem Platz, die sich dann und wann zusammen raufen. Einfallslos versuchte man die deutsche Abwehr auszuhebeln und die Chancen, die sich ergaben, waren eher Zufälle, als Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung. Und ein Robben, der sich selbst hinterher läuft.
Die niederländische Mannschaft zeigt sich in beiden Spielen völlig ideenlos und wusste kein Mittel gegen Mannschaften, die im Mittelfeld störten und hinten die Abwehr dicht machten. Den Dänen reichte eine Chance, um die Niederlande zu besiegen.

Die Analyse des Kicker zeigt sehr schön die deutsche Effektivität des gestrigen Matches. 14x schoss man auf das deutsche Tor, davon 8x innerhalb des deutschen Sechzehners und erreichte ein Tor. Die deutsche Mannschaft machte das 11x, schoss 5x im Strafraum und erzielte 2 Tore dank eines überragenden Mario Gomez und eines Bastian Schweinsteiger, der offensichtlich grade zur Hoechstform aufläuft und damit zum Schlüsselspieler werden könnte für das Ballsportkollektiv.

Ich denke die Niederländer werden nach der Vorrunde abreisen dürfen, denn das, was Portugal gestern gezeigt hat, den Willen doch noch zu gewinnen, dürfte es der Elftal unmöglich machen eventuell den zweiten Platz zu erreichen. Trotz gefühlten 100.000 Chancen die CR vergeigte, waren die Portugiesen doch halbwegs effektiv gegen behäbig wirkende Dänen, die von Danish Dynamite soweit entfernt sind, wie der Tivoli vom Mond.

Fuer die Niederlande ist das, auch wenn man mich jetzt steinigen möchte, schade. Ich mag zwar nicht die Arroganz der Mannschaft, praktisch als kommender Meister anzureisen, egal ob WM, oder EM, aber ich mag das Spiel der Mannschaft. Diesmal haben sie mich aber maßlos enttäuscht und da habe ich kein Mitleid, wenn sie am Ende der Vorrunde die Koffer packen.
Die einzige Frage die ich mir im Moment stelle, wer macht Platz 2, denn Deutschland kann sich den Luxus eines Unentschiedens leisten und wäre trotzdem Gruppenerster.

Ausblicke und Einblicke

Die Meisterschaft in der Bundesliga ist so gut wie gelaufen und der FCB kann eigentlich Dortmund zur erneuten Meisterschaft gratulieren.
Wobei man den Dortmundern, auch als Bayernfan, ehrlicherweise zugestehen muss, dass sie in der Saison die stabilste Leistung gezeigt haben und sehr souverän gespielt haben, im Gegensatz zu den Bayern die ausgerechnet die Punkte dann liegen liessen, wenn es völlig unnötig war, und dann wieder eine fulminante Leistung zeigten und aus 3 Spielen 20 Tore holten, bei einem Gegentreffer.

Möglich ist natürlich alles und der FCB könnte die restlichen Partien gewinnen und Dortmund die restlichen Partien verlieren, aber das Leben ist kein Ponyhof und ich denke Dortmund wird, wenn überhaupt, vielleicht ein Remis haben, aber da wäre wirklich der Wunsch Vater des Gedanken.
Nein, ich denke die Saison ist gelaufen und kann abgehakt werden.
Fuer den FCB gilt es jetzt, beim DFB-Pokal Finale, Revanche für die Niederlage, und, was noch wichtiger ist, das Finale in München zu erreichen. Das heisst, die Spieler werden jetzt noch einmal ihre gesamte Leistung abrufen müssen, damit es für das Finale reicht und, was ich natürlich am meisten hoffe, wir wieder den Pokal nach München holen.
Im eigenen Stadion, vor eigenem Publikum, das wäre ein Traum und ich denke, dieser Traum dürfte diesmal sehr realistisch sein, egal wer der Gegner sein wird, ob Barcelona, oder Chelsea

Interessant dürfte auch die Frage sein, was wird nächste Saison. Wer wird bleiben, wen wird man holen, denn wenn man Hoeness aussagen glauben darf, dann will er den FCB an Spitzenclubs wie Barcelona, oder Madrid mit Spitzenspielern ranführen.
Ob dieser Plan gelingt, bleibt abzuwarten, denn ganz ehrlich, der Kader des FCB ist so schlecht nicht. Das Problem, die ganze Saison über, war diese Unbeständigkeit die einem die Haare raufen liess.

Kurzfristig dürfte ein Griff in Ulis Geldschublade eine Verbesserung bringen, was den Namen des Spielers betrifft. Dieser muss aber in’s Konzept, so es eins gibt, eingebunden werden. Und die andere Frage dürfte sein, was ist, wenn er ein Fehleinkauf ist? Damit hat man ja, auch bei Bayern, reichlich Erfahrung, wenn man an Tymostchuk denkt, der zwar ein akzeptabler Spieler ist, aber nicht die Granate, dann hat man oft genug Spieler geholt, die sich in München nie so richtig durchsetzen konnten, oder bei denen plötzlich die Spielfreude abhanden kam und sie einfach nur noch Durchschnitt waren.

Es bleibt abzuwarten wie sich der FCB entwickeln wird und ob man Heynckes die Zeit gibt, einen Kader zusammen zu stellen, der nicht nur dem Verein, vielmehr den Anhängern das Gefühl zurück gibt, was in uns treuen Bayern Fans schon immer war. “Mia san Mia” und das stehen zum FC Bayern in wirklich guten und wirklich schlechten Zeiten. Wer, so wie ich, den Verein seit jetzt über 40 Jahren stets begleitet hat, und wirklich alles an Höhen und Tiefen erlebt hat, der kann auch mit einer Vizemeisterschaft leben. Aber nocheinmal den Gewinn der CL zu erleben, dass wäre für mich der schönste Traum, selbst wenn Irland Europameister wird.

Spielen fuer’s Regime

Sport sollte eigentlich die schönste Nebensache der Welt sein, besonders Fussball soll den Menschen Freude bringen und es gibt nichts schöneres, als auf dem grünen Rasen zu stehen, den Ball liebevoll mit dem Fuss zu streicheln und mit Gleichgesinnten zu spielen.

Leider hatte Fussball in der Geschichte auch eine andere Bedeutung, und wurde von der Politik gnadenlos genutzt, die Machthaber im Land, oder besser die Regime, in der eigenen Bevölkerung zu stärken, oder wie der römische Satiriker Juvenal schrieb, “Panem et circenses”, das Volk vergessen zu lassen, in welchem Land sie leben.

2006 gewann Italien zum vierten Mal die Fussballweltmeisterschaft und in Italien fand man es nicht mal sonderlich kritikwürdig, dass 1934 und 1938 eine Fussballmannschaft eines faschistischen Staates mit Spielern auf dem Feld standen, die bei Vereinen spielten, die dem faschistischen Regime in Rom genehm waren.
1934 zelebrierte der italienische Staat sich selbst, wie 1936 das Deutsche Reich während der olympischen Spiele. Mussolini nutzte die WM für seine Propaganda und seinen Traum vom “Großrömischen Reich.” Die Kinosäle -nicht jeder konnte sich eine Eintrittskarte kaufen- mutierten zum “Public Viewing” der damaligen Zeit und gaben der Bevölkerung den Glauben, nur der Faschismus wäre in der Lage diese sportlichen Glanztaten zu leisten. Luigi Allemandi, als Beispiel, spielte zu der Zeit bei SS Ambrosiana-Inter Milano. Inter Mailand, der Traditions- und Arbeiterclub, war Rom zu offen, zu liberal, zu international, zu links und musste 1928 mit dem Club US Milanese fusionieren. Schaut man sich die Mannschaft an, dann findet man nur Spieler aus Clubs, die dem Regime zwar nicht nahestanden, aber sich der Gunst Rom’s erfreuten, und in der neugegründeten Liga zu finden waren.
Die WM von 1934 war eine reine Propagandaveranstaltung mit einem Mussolini in Höchstform, von dem es heisst, dass er von Fussball soviel Ahnung hatte wie von Wirtschaftspolitik, nämlich keine. Allerdings konnte Rom damit von seinen Verbrechen in Afrika ablenken und die Welt vergessen machen, dass Mussolini seinen Traum vom “Römischen Reich” in Afrika Taten folgen liess.

Der zweite Gewinn Italiens fand 1938 in Frankreich statt. Auch hier ging es darum den Faschismus als Sieg zu begreifen, auch wenn Deutschland sang- und klanglos gegen die Schweiz mit 4:2 ausschied. Italien gewann im Finale gegen Ungarn mit 4:2 Toren und für Rom war es der Sieg des politischen Systems. Wobei interessant gewesen wäre, wenn die Sowjetunion an den Endrunden teilgenommen hätte -Der Kampf der Systeme quasi.

Auf jeden Fall habe ich nie ein Wort des Bedauerns in der italienischen Presse lesen können, dass die zwei Weltmeistertitel vielleicht nicht so ganz “astrein” gewesen sind, zumindest was die WM im eigenen Land betraf.
Ueberhaupt war Fussball in Diktaturen immer auch Ausdruck des herrschenden politischen Systems und internationalen Begegnungen wurde der “Kampf des besseren Systems” verliehen. Es ging nicht um Sport, es ging darum, welches System möge besser sein.
So wurde in Ungarn, während der WM 1954 in der Schweiz, propagiert, dass hier der Fussball nur im Hintergrund statt findet, die Trainingsmethoden im Sozialismus aber die besseren Spieler hervorgebracht hätten. Dass Spieler wie Puskás, Kocsis und Czibor irgendwann in Spanien landeten, nicht wegen der hervorragenden Bedingungen im Sozialismus, sondern weil sie nicht zurückwollten -allerdings später- und begnadete Ballsportartisten waren, liess vieles vergessen, Spieler, die den Fussball im Blut und mit Politik nichts am Hut hatten. Andere Spieler, wie der begnadete tschechische Josef Masopust blieben in ihrer Heimat und spielten für die Regierung.

Die UdSSR sah im Fussball eine Verbesserung ihres Ansehen, allerdings war die UdSSR bei internationalen Turnieren wenig erfolgreich, ausser 1960 als das sozialistische Kickerkollektiv aus der UdSSR den EM-Titel erringen konnte, und sich die Mannschaft aus Armeesportclubs rekrutierte, oder eine zeitlang aus dem Kollektiv von Dynamo Kiew bestand -dem aktuellen Meister damals.
Fuer das Kollektiv der DDR wäre das auch eine interessante Alternative gewesen, standen doch Armee, MFS, FDGB und Betriebssportmannschaften in ständiger Rivalität und mussten Vereine wie Eisern Union Berlin gute Spieler an den verhassten BFC Dynamo Berlin abgeben, damit dieser die Meisterschaft erringen konnte.

1969 führte die Qualifikation zwischen Honduras und El Salvador, zur Fussball WM 1970 in Mexico, zum berühmten 100 Stunden Krieg, der zwischen den beiden Ländern ausbrach, aber eigentlich nur die Reaktion El Salvadors war, auf die Weigerung der Regierung in Honduras, die Salvadorianischen Flüchtlinge anzuerkennen und eine Landreform für diese durchzuführen.
Im Konflikt zwischen diesen beiden Ländern starben auf salvadorianischer Seite 900 Menschen und auf honduranischer Seite 1200 Personen.
Der Fussballkrieg, neben zwischenstaatlichen Konflikten in Afrika, zeigt, dass Fussball oft genug in die Politik involviert wird. So zum Beispiel bei der WM 1978 in Argentinien, als die FIFA, statt die WM abzusagen, der Militärdiktatur in Buenos Aires die Absolution erteilte.
Normalerweise hätte die FIFA diese WM an ein anderes Land vergeben können, schliesslich fiel schon 1966 die Entscheidung, aber als die Entscheidung für Argentinien getroffen wurde, da wusste niemand vom Komitee was für eine Form Argentinien 12 Jahre später hatte.
Als die WM in Argentinien stattfand, da fanden zwischen 1973 und 1978 tausende Regimekritiker den Tod, landeten in Gefängnissen, oder wählten das Exil.

Die FIFA, die sich politisch nirgendwo einmischen möchte und Fussball als Zeitvertreib sieht, den sie sehr gut vermarktet, bescheinigte dem Regime in Argentinien, dass die Spielstätten in einem sehr guten Zustand sind, und die Teilnehmerstaaten, die z.B. eine Olympiade wie die in Moskau 1980 boykottierten, fanden nichts dabei unter dem Jubel der Militärjunta -wobei sich Deutschland nicht mit Ruhm bekleckerte, geht es um den “historischen Sieg von Cordoba”-, aber so wirklichen Protest vernahm man nicht, auch wenn es in der Bundesrepublik Überlegungen gab, die WM abzusagen, und die Berichterstattung im Vorfeld sehr kritisch war-, aufzulaufen und alles war vergessen. Die Machthaber in Buenos Aires feierten den Sieg des argentinischen Kickerkolektivs gegen die Niederlande, als Sieg der Diktatur, auch wenn es einige Wermutstropfen gab.

Ewig Israel wird ein Stachel im Fleisch einiger antisemitischer Regime bleiben und es bleibt abzuwarten, bis eine israelische Fussballmannschaft ein Match gegen, z.B. den Iran, spielen kann.

Die Idee der Ballsportartistik wurde oft genug von der Politik genutzt, es bleibt abzuwarten bis Fussball endlich auch in einigen Ländern das ist, was es ist. Nämlich ein wunderbares Spiel zweier Mannschaften, mit 11 Protagonisten und einem Schiedsrichter, sowie zwei Linienrichtern, fernab von der Politik, oder den Ausloeschungsphantasien einiger Despoten, die Israel von der Karte gelöscht sehen wollen.
Fussball sollte nicht zum Politikum werden und Organisationen wie UEFA, oder FIFA haben genuegnd Macht dies auch durchzusetzen, wie im Falle Ex-Jugoslawiens, als man Dänemark 1992 nachträglich die Teilnahme zur EM in Schweden gewährte, und die Dänen durch ein grandioses 2:0, durch Tore von Jensen, und einem noch besseren Tor durch Vilfort, Fussballeuropameister wurden, obwohl die dänische Mannschaft schon längst im Sommerurlaub weilte.

Money talks

Was haben Salzburg, New York und Leipzig gemeinsam? Nichts, werden Sie jetzt sagen, aber dem ist nicht so. Ausser das alle drei über ein Kickerkollektiv verfügen, auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick sieht man, dass Red Bull in den drei Städten sehr aktiv ist.

Red Bull, am Anfang eher im Bereich Szene und Funsportarten aktiv, erweiterte sein Sponsoring und übernahm klassische Bereiche wie das Sponsoring einzelner Athleten, promoten sportlicher Veranstaltungen, oder Hauptsponsor bei Formel 1 und DTM.
2005 ging man dann hin und machte Nagel mit Köpfen. Erst schuf man sich sein eigenes F1 Team -Vorher übte man als Sponsor und Mehrheitseigner beim Schweizer Rennstall Sauber- und kaufte den italienischen Rennstall Minardi Racing, der zu dem Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz stand. Im gleichen Jahr wurde Red Bull auch im Fussball aktiv und kaufte den Salzburger Verein SV Austria Salzburg (Wüstenrot Austria). Ziel war es dabei langfristig die Nummer 1 in Österreich als auch International mitzuspielen.
Anfangs wurde das Projekt von den Fans begrüßt, im Laufe der Zeit gingen die eingefleischten und langjährigen Austria Fans in den Widerstand, da Red Bull keineswegs vor hatte die Tradition der Austria wiederzubeleben, sondern einen Retortenclub schaffen wollte. Keine Vergangenheit, keine Tradition, kein Archiv. Einzig die Bundesliga machte Red Bull einen Strich durch die Rechnung, da Red Bull ja der Lizenznachfolger war und keinen neuen Verein gründete.
Die Austria Fans gruendeten ihrerseits einen Verein und so kam es halt zur Neu/Wiedergruendung der “Violetten,” wie man die Austria auf Grund ihrer Leiberl nennt (Siehe Wiener Austria).

Um Red Bull international im Sport, bzw. im Fussball zu etablieren, kaufte man in den USA die Franchise Lizenz der New York Metro Stars und firmiert seitdem als Red Bull New York.
2006 dann, startete Red Bull den Versuch auch in der deutschen Liga Fuss zu fassen und wollten damals in den angeschlagenen FC Sachsen Leipzig investieren, was allerdings am DFB scheiterte der nicht nur Lizenzprobleme sah, sondern auch Probleme mit der Fanszene um Sachsen Leipzig befürchtete und die Uebernahme ablehnte. Also gründete man kurzerhand seinen eigenen Club.
Ziel auch hier: Aufstieg in die erste Liga und natuetrlich international mitspielen.

Da kommen wir dann zu zwei weiteren Gemeinsamkeiten, nämlich das Leiberl und den Anspruch. Red Bull erinnert an ein Franchiseunternehmen, das versucht im Fussball die Strukturen zu verändern und weltweit die Marke Red Bull zu etablieren. Es ist eine Frage der Zeit wann Red Bull auch in anderen Ländern entweder etablierte Fussballclubs übernimmt, oder neue gründet mit dem Ziel, langfristig in der obersten Liga zu spielen.

Und damit komme ich zu einem Problem im Sport. Mich stört es nicht wenn Firmen Sponsoring betreiben, oder Privatpersonen, wie der Gründer von SAP Dietmar Hopp, Geld in einen Verein investieren um eine Region zu stärken, oder weil sie Spass am Sport haben, was recht selten der Fall ist. Mich stört es eher, wenn eine Firma versucht den Sport für ihre Zwecke zu manipulieren. Red Bull ist ja nicht nur im Fussball aktiv, oder im Funsportsponsoring, sondern hat noch als Pferd Eishockey im Programm.

Kommt das Geld Talenten zu Gute und wird eine gesunde Infrastruktur aufgebaut, wie in Hoffenheim, dass man Talente fördert und Nachwuchsarbeit betreibt, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Aber wenn man sich eine Retortenmannschaft zusammen kauft, diese mit viel Geld ausstattet, selbst in einer Amatuerliga, dann liegt wohl was im Argen. Auch wenn es heisst, 11 Individualisten machen noch keine Mannschaft, spielt der Trainer als Dirigent eine grosse Rolle, nämlich dann wenn es ihm gelingt daraus ein Orchester zu formen, und aus Ballartisten ein Ballett. Im Nachteil sind die Mannschaften, die versuchen Sponsoren zu bekommen, den Nachwuchs fördern und nicht über grosse Geldmittel verfügen. VW lässt sich das Engagement in Wolfsburg sehr viel Geld kosten ist aber, wie Hopp in Hoffenheim, in der Region verwurzelt. Ok, VW könnte auch das benachbarte Hannover fördern, oder Geld in die SpVgg Preussen Hameln 07 stecken. Andere Vereine, wie Gladbach, sind als Traditionsclubs für Sponsoren interessant.
Man koennte, wie in England, die Vereine fuer Privatinvestoren oeffnen, aber wenn man sich den Streit um Liverpool im letzten Jahr anschaut und sieht wo der Verein hätte stehen können, dann denke ich das deutsche Modell, oder ein Modell wie hier in Irland, wo Fussball reiner Amateursport ist, wohl die bessere Alternative ist. Vereine in spanischen, italienischen, oder englischen Ligen sind so hoch verschuldet dass man, würde der Investor abspringen, den Betrieb einstellen kann. Das, so meine Befürchtung, dürfte auch Vereinen wie Salzburg, New York oder Leipzig blühen, dass wenn der Buchhalter von Red Bull seine Statistik überprüft und feststellt, dass das finanzielle Engagement im Gegensatz zu den Einnahmen steht -Fussball ist halt ein Milliarden Geschäft- Red Bull seine Investitionen aus dem Verein zieht und der Verein über kurz oder lang den Spielbetrieb einstellen kann.
Besonders für Österreich dürfte das ein Problem sein, denn Meister heisst nicht unbedingt, das man sofort in CL startet, sondern sich erst qualifizieren muss.

Ich bin gespannt wie lange RB das noch mitmacht und vor allem bin ich gespannt wie die Zukunft der Ballartistik aussieht. Werden wir eine Franchise wie in der MLS haben? Oder Vereine die mit teuer Geld erkauft wurden und Vereine wie Bremen, München oder Gladbach ablösen und in Zukunft Vereine wie Jägermeister Braunschweig, Volkswagen Wolfsburg, Telekom Duisdorf-Bonn, Deutsche Bank Frankfurt, Postbank Godesberg, oder Red Bull Leipzig die Meisterschaft unter sich ausspielen mit allem was der Transfermarkt und das Konto hergibt.

Ich denke das wäre der Ausverkauf im Fussball, von daher sollte Red Bull machen was sie wollen, aber vielleicht die Finger vom Fussball lassen. Fans wollen sich mit dem Verein, seinen Traditionen und seinen Spielern identifizieren und sich nicht kaufen lassen. Wäre auch peinlich, wenn die Fans von 18 Mannschaften am Samstag Probleme mit der Identifizierung haben, weil alle Artisten auf dem Platz das gleiche Leiberl haben, nämlich rot/weiss (Heim) für Red Bull und blau für Auswärts.

Der Schwiegersohn

Eigentlich wollte ich schon eher schreiben, über die EM-Quali z.B und das Cordoba auch Heuer mal wieder ausgefallen ist, aber es gibt etwas, über das ich schon länger schreiben wollte, nämlich die “Legende vom Schwiegersohn”. Und die geht so:

Vor langer Zeit, in einem Königreich im fernen Süden, da verstarb  wurde der alte Koenig abgelöst und ein neuer kam an die Macht.Seine Tochter, eine wunderschöne Jungfrau, die trotz vieler Hitzewallungen im Laufe der Jahre immer noch Feuer glühte, hatte sich in einen jungen Rittersmann aus einem benachbarten Königreich verschaut und liess keine Gelegenheit aus um ihn zu freien. “Wenn’s denn sein muss,” so liess sich der neue Koenig vernehmen, “dann nimm ihn halt.”
Und so kam, wie es kommen musste, dass der Rittersmann dem Werben erlag und in seine neue Heimat zog. 30 Millionen Goldtaler, so unkten es die Bänkelsänger, liess die Braut springen um ihn zu bekommen.
Und was für ein knackiger Kerl war er. Jung, ungestüm, wagemutig. Um das zu beweisen zog er Woche für Woche in die Schlacht für seine Holde und seinen Koenig. Gegen Ritter aus Nah und Fern ging er in’s Turnier und die Ritter bekamen durch ihn eine Schmach nach der Anderen. Und das Volk jubelte ihm jede Woche zu, “Ich will ein Kind von Dir!” schrie eine, “Du bist ein Titan!!” ein anderer.

Aber wie es so kommt, der Koenig wurde eifersüchtig auf seinen Schwiegersohn und wollte ihn nicht mehr. Denn, so kann es passieren, der Recke hatte plötzlich eine Formschwäche. “So was kommt vor,” werdet Ihr jetzt sagen. Stimmt, aber der Koenig hatte längst andere Pläne und da kam ihm die Krise sehr gelegen. Und jedesmal, wenn unsrer junger Rittersmann seinen Schwiegervater fragte meinte dieser, “Nee, Heute kein Turnier für Dich, Dein Platz ist auf der Bank.”
Um ihn aber nicht ganz zu verlieren, da setzte er ihn manchmal ein, ganz kurz nur, damit sich unser Held nicht zu sicher fühlte.

Eines Tages aber, da brach im Land eine Seuche aus, und alle Ritter die dem Koenig wohl und schön waren, und wert zu kämpfen, wurden krank. Plötzlich hatte der Koenig keine Kavallerie mehr, die vorne für den Angriff sorgte. Das Gesicht wurde lang und länger, die Sorgen immer schwerwiegender. Von Revolution war bereits die Rede und auch die Tochter mochte nicht mehr länger ihren Stiefvater ertragen.
Da blickte der Koenig in die Runde und sah seinen einstigen Günstling, wie einsam, verbittert und enttäuscht am Tisch der Niederen sass und statt Schweinsbraten mit Knödel, nur Knödel bekam -Natuerlich mit gaaaaaanz altem Brot gemacht-. Also dachte der Koenig nach und überlegte, wie er ohne Schmach aus dieser Angelegenheit rauskam und seinem Schwiegersohn noch einen reinwürgen könne, denn schliesslich drängte seine Tochter immer mehr darauf, das ihr Ehemann nun endlich wieder in die Schlacht ziehen solle.
“Wenn er scheitert,” so der Koenig, “dann bin ich ihn los, schliesslich habe ich schon immer gesagt er passt nicht, und ich gewinne wieder mehr Vertrauen bei Volk und Tochter. Dann werden sie sagen, ‘Ja Du bist ein Grosser.’”

Also ging er zu unserem Helden, sprach mit ihm und vergewisserte ihm, dass er ja nichts gegen ihn hat, also nichts persönliches, sondern es nur Geschäft war, weil er, der grosse Koenig, ihn für noch Größere Aufgaben brauchen würde und deswegen geschont habe. Diese Zeit sei aber nun gekommen und er braucht ihn nun.
Ohhh, Ihr glaubt gar nicht wie sehr unser Held diese Finte durchschaut hat, aber da seine Braut ihm Mut zusprach, da dachte er sich, “Ok, der alte Sack hat mich wie einen Arsch behandelt, wollte mich schon über die Alpen als Arbeitsesel verscherbeln. Aber meine Schöne vertraut mir, also werde ich es dem alten Sack zeigen.”

Im ersten Turnier, da bemühte sich unser Held ganz doll, aber natürlich sollte es nicht sein, weil er im letzten Moment seine Chance “unabsichtlich” vergab. Was natürlich den Koenig diebisch freute, “Hähä,” dachte der sich, “noch ein Turnier, dann ist er weg und mir der Palazzo für die Zeit danach am Meer sicher.”
Dann aber schlug unser Recke zu und gewann ein Turnier nach dem anderen, Und auch der Kaiser wollte ihn haben und setzte ihn international mit grossem Erfolg ein. Plötzlich waren auch die Rufe im Volk wieder da, “Ich will ein Kind von Dir! Du Titan unter den Göttern!!!”
Fuer den Koenig wurde nun die Luft recht dünn im Königreich , denn auch wenn unser Held ständig seine Turniere gewann, Großkönig konnte unser Koenig nicht mehr werden und so wurde er nach einer Revolution entmachtet.
Unser Held aber, der wurde trotz der Schmach und trotz der Kurzeinsätze im Turnier der Turnierkönig.
Jetzt kommt eigentlich noch, “Und wenn er nicht gestorben ist, dann trifft er auch noch Heute.” Stimmt!
Denn die Rede ist von Mario Gomez. Man mag Gomez unterstellen was immer man will und er mag auch für die Freunde der ästhetischen Ballartistik der Grobmotoriker unter den Feinsinnigen sein, der Biertrinker unter den Weinkennern, der Currywurstesser unter den Austernschluerfern, aber ich persönlich mag ihn. Mario Gomez ist nicht nur ein Vorbereitet, sondern auch das, was einen Stürmer auszeichnet, ein Knipser mit Instinkt. Selbst als es in dieser Spielzeit am Anfang nicht sofort geklappt hat und die Rufe wieder laut wurden, “Schickt den auf die Tribüne!” Da hat er nicht aufgesteckt und seinen Kritikern mit seinen vier Toren gegen Freiburg gezeigt, dass man ihn eben nicht auf die Tribüne schickt.
Natuerlich mag man einwenden, das Freiburg ja nun keine Spitzenmannschaft ist und die Defensive der einer Kreisligamannschaft gleicht, mag sein, aber 4 Tore macht man mal nicht eben so.

Ich hoffe, das Mario noch viele gute Spiele für den FCB macht und mir ist es egal, ob er trifft, oder den Vorbereiter macht. Hauptsache Bayern steht am Ende oben mit einem glänzend spielenden Mario Gomez, und hoffentlich ohne Verletzungen in dieser Saison, auch wenn die Alternativen da sind.

Was das Märchen betrifft: Mario Gomez ueber Louis van Gaal. Van Gaal, wollte Gomez eigentlich demontieren.

Glück und Glas

Zunächst einmal die gute Nachricht: Der FC Bayern hat nicht nur wieder einen Torwart, sondern auch eine Abwehr. Ob das allerdings in der Champions League reicht wird sich zeigen.

Das Match gegen das Kickerkollektiv aus Zürich kann man als “Spaziergang” sehen, ich würde eher von “Arbeitssieg” sprechen. Phasenweise hatte Zurich Pech in seinen Aktionen und im Abschluss, selbst wenn die Statistik von der Überlegenheit des FCB spricht, die Chancenverwertung war gelinde gesagt schmeichelhaft. Und was Badstuber das manchmal am eigenen Strafraum abzog wäre gegen eine Spitzenmannschaft in die Hosen gegangen. Aber geschenkt, Hauptsache gewonnen und durch, der Rest wird sich finden und die Mannschaft vielleicht auch, denn für den FC Bayern ging es nicht nur um das Prestige, möglicherweise das Finale in der heimischen Allianzarena auszutragen, es ging, natürlich, auch um sehr viel Geld. Wäre man ausgeschieden hätte es Heynckes zwar nicht den Kopf gekostet, aber die Mannschaft wäre erst mal zur Lachnummer geworden.

Ganz andere Sorgen, und wirklich um die Existenz, ging es bei Arséne Wenger. Wäre sein Kickerkollektiv gegen Udine ausgeschieden, dann wären wohl die Stimmen noch lauter geworden sich einen neuen Coach zu suchen. Schon nach der verpatzten Meisterschaft in der letzten Saison, ausscheiden im Cup und Direktqualifikation zur CL, pfiffen es die Spatzen von den Kanonen, dass, sollte Arsenal in der Quali scheitern, Wenger seinen Hut nehmen kann. Nach einer Niederlage, einem 0:2 gegen die Reds, am gleichen Arbeitsplatz, folgte ein hart umkämpftes 2:1 in Udine und die Erkenntnis “gut geschossen, ist nicht gut getroffen.” Der Elfmeter, geschossen von Di Natale, brachte nicht den erhofften Erfolg für Udine das Spiel eventuell zu drehen. Und sicherte vorerst Wengers Arbeitsplatz bei den Gunners.

Glas dagegen zerbrach in Graz, was ich persönlich sehr schade finde. Sturm Graz habe ich damals in Österreich beobachtet, als sie fulminant in ihrer Gruppe durchgestartet sind. Diesmal kam man nicht mal in die Gruppenphase und scheiterte an einer Mannschaft, deren Namen ich nicht mal aussprechen kann.

Maccabi Haifa hat es nicht geschafft, immerhin eine wirklich sehr gute Mannschaft. Gewonnen gegen Genk in Haifa, reichte es im Elfmeterschiessen nicht sich durchzusetzen.

Aber auch Krakau verlor ausgerechnet gegen Nikosia. Zuletzt war Nikosia 2009 in der CL erfolgreich. Nach drei Siegen in der Qualifikation, kamen drei Unentschieden und drei Niederlagen in der Gruppenphase, so dass man als Gruppenletzter ausschied. Krakau hätte ich es eher gegönnt in die Gruppenphase einzuziehen, aber wie war das mit Glück und Glas?

Die grosse Überraschung dürfte aber Viktoria Pilsen sein (Nein, keine Brauerei). Viktoria Pilsen ist in Tschechien sowas wie Kaiserslautern oder Wolfsburg in der Bundesliga. Als Fahrstuhlmannschaft bezeichnet, konnte Pilsen 2005 nach dem Rückzug des 1. FK Dronvice in die Gambrinus League (Premierleague/1. Bundesliga)  aufsteigen und wurde in der letzten Saison zum ersten Mal tschechischer Meister. Das ganze krönte man mit dem Einzug in CL gegen den FC Kopenhagen, immerhin nicht ganz unbekannt. Nachdem man in Kopenhagen mit 3:1 gewann, folgte ein 2:1 Erfolg in Pilsen. Da kann man nur sagen: Glückwunsch! Und feiert schön mit einem Schwarzbier, wenn es kein Pils ist. Ich bin gespannt, was man von diesem Club in der Gruppenphase erwarten kann.

Warten wir es ab, denn endlich ist die Zeit vorbei. Die CL startet wieder richtig! Spiel, Spass und Spannung.

Bayern, Liverpool und ich

Öfters werde ich gefragt seit wann ich eigentlich Fan des FC Bayern München, oder des FC Liverpool bin. Offen gesagt, seit wann ich den FC Bayern unterstütze weiss ich nicht. Liverpool mag ich seit Anfang der achtziger Jahre.

Meine Liebe zu den Bayern hat anscheinend begonnen als ich noch sehr klein war. Meine Eltern haben immer behauptet meine ersten Worte wären “Maier, Müller und Beckenbauer” gewesen, was natürlich nicht stimmt, aber ich muss so fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein, als meine Liebe zum FCB begann und bis Heute andauert.

Allerdings gab es auch Zeiten wo ich über ein Ende der Liebesbeziehung nachdachte und mich ernsthaft einem anderen Club, nämlich dem meiner Mutter und meines Bruders, anschliessen wollte. 1976/77 wollte ich zu den Gladbachern wechseln, nachdem mir das Gerangel und die schlechten Leistungen meines FCB’s gewaltig auf die Nerven gingen. Meine Mutter erklärte mir dann, dass man nicht mal eben das Ufer wechselt, nur weil der Anstieg steil wird, oder anders ausgedrückt, man steht zu seinem Verein, auch und gerade in schlechten Zeiten. Und davon habe ich in nun 40 Jahren mehr als genug erlebt.

Anders als all die Champagnerfans, die einen Verein nur auf Grund seiner sportlichen Erfolge schätzen, schätzte ich “meine” Vereine auch in der Niederlage und tröstete mich damit, dass es beim nächsten Mal besser läuft. Vor allem als Anhänger eines dermassen verhassten Vereins und dazu noch im Rheinland aufgewachsen, war der FC Bayern für mich der Racheengel gegen all die Sch… aeeeh, Schulkameraden die sich hämisch darüber freuten, wenn mein Verein mal verloren hatte. Denn in der Bundesliga sieht man sich immer zweimal, oder dreimal, wenn es der DFB Pokal ist, und meistens dann behielt der FCB die Oberhand und rächte mich quasi stellvertretend gegen Schalke, Köln, Gladbach und Dortmund Anhänger. Die waren in meiner Gegend leider in der Ueberzahl und ich war quasi die Minderheit, ein Parier sozusagen.

Als Jugendlicher war ich stolz, wenn man meine Spielweise mit Franz Beckenbauer verglich, da ich im Gegensatz zu den Mitspielern, Größer war. Nachteil der Größe: Ich war damit auch prädestiniert in’s Tor zu wechseln, was mich wiederum stolz machte mit Sepp Maier verglichen zu werden, meinem größten Idol. Dazu erhielt ich dann auch den Beinamen “die Katze von Friesdorf.”

Tja, so kann es kommen dass man Fan wird und bleibt, seinem Verein die Treue hält, aber trotzdem noch eine Geliebte hat, wie den FC Liverpool. Die mag ich nämlich seit Anfang der achtziger Jahre, als ich ein Spiel zwischen dem FCL und einem anderen Verein im Fernsehen verfolgte. Liverpool pflegte nicht den, zu dieser Zeit üblichen, “Kickn’Rush” Stil anderer Vereine von der Insel. Während englische Vereine, auch die Nationalmannschaft Englands, gerne den Ball hoch und weit in die gegnerische Hälfte schlugen und hofften, dass irgendwer schon das Tor machen würde, spielte Liverpool intelligenten Fussball und das aus dem eigenen Strafraum mit Kurzpässen heraus. Mich beeindruckte das und Liverpool ist so ziemlich die einzige Mannschaft denen ich ein Sieg gegen Bayern nicht krumm nehme. -Na ja, sie haben bisher auch nur einmal gewonnen, das war 1971-

Nun lebe und arbeite ich in Irland und bin damit dem FC Bayern etwas weiter entfernt und dem FC Liverpool etwas näher gekommen, was mich aber nicht daran hindert, die Spiele des FCB zu verfolgen. Ausserdem habe ich durch SKY die Möglichkeit die Spiele des FC Liverpool in der Premier League zu verfolgen, was mich, wie schon erwähnt, dem FCL näher gebracht hat.

Damit schliesst sich irgendwie der Kreis “Bayern, Liverpool und ich,” ein langes Fanleben in guten und in schlechten Tagen, wie eine Ehe halt, die wilden Zeiten sind vorbei, man segelt beschaulich der goldenen Hochzeit entgegen.

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