Was haben Salzburg, New York und Leipzig gemeinsam? Nichts, werden Sie jetzt sagen, aber dem ist nicht so. Ausser das alle drei über ein Kickerkollektiv verfügen, auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten Blick sieht man, dass Red Bull in den drei Städten sehr aktiv ist.

Red Bull, am Anfang eher im Bereich Szene und Funsportarten aktiv, erweiterte sein Sponsoring und übernahm klassische Bereiche wie das Sponsoring einzelner Athleten, promoten sportlicher Veranstaltungen, oder Hauptsponsor bei Formel 1 und DTM.
2005 ging man dann hin und machte Nagel mit Köpfen. Erst schuf man sich sein eigenes F1 Team -Vorher übte man als Sponsor und Mehrheitseigner beim Schweizer Rennstall Sauber- und kaufte den italienischen Rennstall Minardi Racing, der zu dem Zeitpunkt kurz vor der Insolvenz stand. Im gleichen Jahr wurde Red Bull auch im Fussball aktiv und kaufte den Salzburger Verein SV Austria Salzburg (Wüstenrot Austria). Ziel war es dabei langfristig die Nummer 1 in Österreich als auch International mitzuspielen.
Anfangs wurde das Projekt von den Fans begrüßt, im Laufe der Zeit gingen die eingefleischten und langjährigen Austria Fans in den Widerstand, da Red Bull keineswegs vor hatte die Tradition der Austria wiederzubeleben, sondern einen Retortenclub schaffen wollte. Keine Vergangenheit, keine Tradition, kein Archiv. Einzig die Bundesliga machte Red Bull einen Strich durch die Rechnung, da Red Bull ja der Lizenznachfolger war und keinen neuen Verein gründete.
Die Austria Fans gruendeten ihrerseits einen Verein und so kam es halt zur Neu/Wiedergruendung der „Violetten,“ wie man die Austria auf Grund ihrer Leiberl nennt (Siehe Wiener Austria).

Um Red Bull international im Sport, bzw. im Fussball zu etablieren, kaufte man in den USA die Franchise Lizenz der New York Metro Stars und firmiert seitdem als Red Bull New York.
2006 dann, startete Red Bull den Versuch auch in der deutschen Liga Fuss zu fassen und wollten damals in den angeschlagenen FC Sachsen Leipzig investieren, was allerdings am DFB scheiterte der nicht nur Lizenzprobleme sah, sondern auch Probleme mit der Fanszene um Sachsen Leipzig befürchtete und die Uebernahme ablehnte. Also gründete man kurzerhand seinen eigenen Club.
Ziel auch hier: Aufstieg in die erste Liga und natuetrlich international mitspielen.

Da kommen wir dann zu zwei weiteren Gemeinsamkeiten, nämlich das Leiberl und den Anspruch. Red Bull erinnert an ein Franchiseunternehmen, das versucht im Fussball die Strukturen zu verändern und weltweit die Marke Red Bull zu etablieren. Es ist eine Frage der Zeit wann Red Bull auch in anderen Ländern entweder etablierte Fussballclubs übernimmt, oder neue gründet mit dem Ziel, langfristig in der obersten Liga zu spielen.

Und damit komme ich zu einem Problem im Sport. Mich stört es nicht wenn Firmen Sponsoring betreiben, oder Privatpersonen, wie der Gründer von SAP Dietmar Hopp, Geld in einen Verein investieren um eine Region zu stärken, oder weil sie Spass am Sport haben, was recht selten der Fall ist. Mich stört es eher, wenn eine Firma versucht den Sport für ihre Zwecke zu manipulieren. Red Bull ist ja nicht nur im Fussball aktiv, oder im Funsportsponsoring, sondern hat noch als Pferd Eishockey im Programm.

Kommt das Geld Talenten zu Gute und wird eine gesunde Infrastruktur aufgebaut, wie in Hoffenheim, dass man Talente fördert und Nachwuchsarbeit betreibt, dann ist dagegen nichts einzuwenden. Aber wenn man sich eine Retortenmannschaft zusammen kauft, diese mit viel Geld ausstattet, selbst in einer Amatuerliga, dann liegt wohl was im Argen. Auch wenn es heisst, 11 Individualisten machen noch keine Mannschaft, spielt der Trainer als Dirigent eine grosse Rolle, nämlich dann wenn es ihm gelingt daraus ein Orchester zu formen, und aus Ballartisten ein Ballett. Im Nachteil sind die Mannschaften, die versuchen Sponsoren zu bekommen, den Nachwuchs fördern und nicht über grosse Geldmittel verfügen. VW lässt sich das Engagement in Wolfsburg sehr viel Geld kosten ist aber, wie Hopp in Hoffenheim, in der Region verwurzelt. Ok, VW könnte auch das benachbarte Hannover fördern, oder Geld in die SpVgg Preussen Hameln 07 stecken. Andere Vereine, wie Gladbach, sind als Traditionsclubs für Sponsoren interessant.
Man koennte, wie in England, die Vereine fuer Privatinvestoren oeffnen, aber wenn man sich den Streit um Liverpool im letzten Jahr anschaut und sieht wo der Verein hätte stehen können, dann denke ich das deutsche Modell, oder ein Modell wie hier in Irland, wo Fussball reiner Amateursport ist, wohl die bessere Alternative ist. Vereine in spanischen, italienischen, oder englischen Ligen sind so hoch verschuldet dass man, würde der Investor abspringen, den Betrieb einstellen kann. Das, so meine Befürchtung, dürfte auch Vereinen wie Salzburg, New York oder Leipzig blühen, dass wenn der Buchhalter von Red Bull seine Statistik überprüft und feststellt, dass das finanzielle Engagement im Gegensatz zu den Einnahmen steht -Fussball ist halt ein Milliarden Geschäft- Red Bull seine Investitionen aus dem Verein zieht und der Verein über kurz oder lang den Spielbetrieb einstellen kann.
Besonders für Österreich dürfte das ein Problem sein, denn Meister heisst nicht unbedingt, das man sofort in CL startet, sondern sich erst qualifizieren muss.

Ich bin gespannt wie lange RB das noch mitmacht und vor allem bin ich gespannt wie die Zukunft der Ballartistik aussieht. Werden wir eine Franchise wie in der MLS haben? Oder Vereine die mit teuer Geld erkauft wurden und Vereine wie Bremen, München oder Gladbach ablösen und in Zukunft Vereine wie Jägermeister Braunschweig, Volkswagen Wolfsburg, Telekom Duisdorf-Bonn, Deutsche Bank Frankfurt, Postbank Godesberg, oder Red Bull Leipzig die Meisterschaft unter sich ausspielen mit allem was der Transfermarkt und das Konto hergibt.

Ich denke das wäre der Ausverkauf im Fussball, von daher sollte Red Bull machen was sie wollen, aber vielleicht die Finger vom Fussball lassen. Fans wollen sich mit dem Verein, seinen Traditionen und seinen Spielern identifizieren und sich nicht kaufen lassen. Wäre auch peinlich, wenn die Fans von 18 Mannschaften am Samstag Probleme mit der Identifizierung haben, weil alle Artisten auf dem Platz das gleiche Leiberl haben, nämlich rot/weiss (Heim) für Red Bull und blau für Auswärts.

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