Nachbetrachtungen

Was wurde nicht alles im Vorfeld der WM geschrieben, nun, da die Gruppenphasen fast abgeschlossen sind, lohnt sich ein Blick auf die Spiele.

Der Koenig hat abgedankt, es lebe der Koenig

Spanien ist über die Gruppenphase nicht hinausgekommen und das spanische Kickerkollektiv darf jetzt am Strand von Ipanema den Girls hinterher schauen und dabei einen Caipirinha schlürfen. Dabei hat alles so gut angefangen für den Nochweltmeister. Gegen die Elftal gelang durch einen zweifelhaften Elfmeter die Führung und im weiteren Verlauf zeigte Holland wie man effektiv Fussball spielt und hebelte trocken die spanische Abwehr aus. Dabei war man so Großzügig und beschenkte Spanien reichlich mit 5 Toren.
Ehrlich gesagt konnte ich meinen Augen nicht trauen, denn Spanien galt für mich als einer der Favoriten und delBosque als ein Trainer, der es geschafft hat aus spanischen Toreros eine Mannschaft zu formen. Das spanische Spiel war die letzten Jahre schnell und effektiv, die Individualisten traten als Kollektiv auf und auch die Eigenart im Laufe eines Turniers in Schönheit zu sterben hat er ihnen austrainiert. Ideenlos präsentierte sich das spanische Spiel und weder delBosque noch die Spieler wussten irgendwelche Akzente zu setzen, von Einzelaktionen mal abgesehen.
Gegen Chile das gleiche Bild. Während Chile, dessen Ballsportartisten wahrlich nicht zu den Top 10 des internationalen Fussballs gehören, mit überforderten Spaniern Katz und Maus spielte, war bei den Spaniern Not am Mann, im wahrsten Sinne des Wortes.
Iker Casillas, in frueheren Begegnungen sicherer als ein Schweizer Bankschliessfach, offenbarte eine fatale Abwehrschwäche und war löchriger als ein Schweizer Käse. Nach zwei Partien war für ihn Schluss, eventuell auch, weil sich die Fans über ihn lustig machten, was nicht sehr fair war, aber wenn der Koenig strauchelt, dann ist es der Gemeine der ihm den Dolch in die Rippen rammt.
Und so durfte im letzten Gruppenspiel einer meiner Lieblinge das Tor hüten und brachte damit Spanien wenigstens 3 Punkte gegen schwache Australier, die nur im zweiten Gruppenspiel zeitweise zeigen konnten warum sie bei der WM sind.

Der Prinz

Ich gebe zu, die Elftal gehört für mich zu den Favoriten auf den WM Titel, trotz der Aussage, das noch kein europäisches Team jemals in Südamerika Weltmeister geworden ist. Das ist a.) Schwachsinn (immerhin wurden sie Vize) und b.) ist die WM noch nicht vorbei und da hat Holland durchaus Chancen zu gewinnen. Louis van Gaal hat es mal wieder allen gezeigt, vor allem warum er Trainer bei Bayern München war. Das Leben was er der Elftal eingehaucht hat, nach der EM 2012, ist mehr als beeindruckend. Gegen das spanische Kurzpassspiel agierte eine gut gestaffelte Defensive die blitzschnell von Abwehr auf Angriff umschalten konnte und auch gegen Australien liess die Mannschaft nicht den Kopf hängen. 100% Punktauswertung sprechen eine deutliche Sprache und man darf gespannt sein, wie weit es die Kicker bringen im Gegensatz zu..

der ewige Favorit

Ich weiss nicht wie oft England schon Weltmeister wurde. Ich erinnere mich nur an die WM 1966, die sie mit Hilfe des Schiedsrichters für sich entscheiden konnten (natürlich war ich da noch zu klein), aber wenn man sich die Zeitungen auf der Insel anschaut, dann bräuchte England zu keinem Wettbewerb anreisen denn sie sind automatisch schon die Gewinner. So war es auch dieses Jahr, dass man sich nur über die Höhe der Siege Gedanken machte, ansonsten aber einem Ausscheiden wenig Beachtung schenkte. England galt als einer der Hauptfavoriten, wenn nicht der Favorit auf den Titel. Nun dürfen sich die „Three Lions“ auf die Premier League und die Qualifikation zur EM 2016 freuen. Bestimmt ist dann England wieder der Hauptfavorit auf den Titel, wenn nicht so grosse Fussballnationen wie Slowenien, Estland, Litauen oder San Marino dem einen Strich durch die Rechnung machen -von der Schweiz will ich gar nicht erst reden-

Favoritensterben

Der WM und den Wettbüros gehen die Favoriten langsam, aber sicher, aus. Teams wie Spanien, oder England haben sich vorzeitig verabschiedet und auch für Italien ist der Traum ausgeträumt und der Wunsch bleibt, dass die Squadra Azzura nicht mit Tomaten bei der Heimkehr beworfen wird.
Überhaupt die Italiener, bewunderte man vor zwei Jahren noch das geniale Passspiel eines Andrea Pirlo, fiel er in einer absolut Mittelmäßigen Mannschaft gar nicht auf und reihte sich nahtlos in die schlechte Truppe ein, dabei war er im letzten Spiel noch einer der besseren, im Gegensatz zum hochgelobten Balotelli der offensichtlich nur dann gut ist, wenn seine Bewacher auf der Toilette sind.
Gegen Uruguay war ich verblüfft, dass er überhaupt mitspielte, habe ich doch erst gedacht, er sitzt im Mannschaftsbus, was für einige Akteure das Beste gewesen wäre.
Kroatien dagegen ist eine der Mannschaften, um die es mir leid tut. Gegen Brasilien wurden sie klar benachteiligt und zeigten gegen Kamerun, warum sie bei der WM waren. Das letzte Spiel gegen Mexiko lief dann leider nicht so, wie von Kovač erhofft und es bleibt abzuwarten, wie sich die Mannschaft unter Kovač zur EM Qualifikation präsentiert.

Dracula lebt

Unrühmliche Schlagzeilen gibt es bei jedem Turnier, aber dass Vampire existieren, dass bewiess einmal mehr Luis Suarez. Der Stürmer, der in Diensten des FC Liverpools jedes Wochenende in der Premier League auf Torjagd geht, konnte sich mal wieder nicht beherrschen und musste sich unbedingt in den Italiener Chiellini verbeissen. Das war nun nicht das erste Mal, im Gegenteil, schon als Spieler von Ajax Amsterdam wurde Suarez nach einer Beissattacke gegen einen Spieler des PSV Eindhoven vom niederländischen Verband gesperrt. Die zweite Attacke startete er gegen seinen Gegner Chelsea und wurde daraufhin mit 10 Spielen Sperre belegt. Nun also die Attacke gegen Chiellini und damit wurde der Werbeslogan, „You’re not you when you’re hungry?“ Realität.
Ganz ehrlich, sowas hat im Fussball nichts verloren. Ein Spieler der offensichtlich seine Emotionen nicht im Griff hat gehört nicht auf den Platz, sondern sollte vielleicht einen Verhaltenstuev absolvieren. Die Attacke ist von daher unverständlich weil ja nicht Italien, sondern Uruguay vorne lag. Sollte Suarez gesperrt werden ist dies vielleicht ein Verlust für die Mannschaft von Uruguay, aber nicht für die WM und schon gar nicht für die Welt.

And the Oscar goes to……

Ich habe lange überlegen müssen, aber die beste Leistung, im negativen Sinn, legten doch einige Schiedsrichter an den Tag. Allein die Hochachtung mit der Brasilien hofiert wurde, gibt jeder Verschwörungstheorie neue Nahrung. Dass der japanische Schiedsrichter Nichimura nicht die Tore der Seleção frenetisch beklatscht hat, wirft ein schwaches Licht auf eine ansonsten grottenschlechte Leistung.
Die Leistungen der Schiedsrichter werden auch wieder im Anschluss an die WM die Frage aufwerfen, wie sieht es mit der Ausbildung aus und wo beginnt, bzw. endet die Neutralität, denn bei jedem Spiel, in dem der Gastgeber eines Turniers auf dem Platz steht, wird ein Schnäuzen des Gegners mit der roten Karte geahndet, während eine Blutgrätsche der gastgebenden Mannschaft mit einem Freistoss belohnt wird -rein subjektiv betrachtet-.

Ganz grosses Tennis ist ja der Torsensor, der dem Zuschauer mitteilt, wenn der Ball tatsächlich im Tor landet, dumm nur wenn der Schiedsrichter und seine beiden Begleiter so blind sind dass sie hier mitmachen können. Zum Glück allerdings waren die Torerfolge eindeutig nicht zu widerlegen.

Ausblicke

Nun bleibt die Frage, wie wird es weitergehen. Zunächst muss ich sagen, dass es mich sehr freut für Costa Rica. Wenn die so weiterspielen, dann werden sie sehr weitkommen, vor allem widerlegen sie bei diesem Turnier die Aussage der vermeintlich „kleinen Gegner“ gewaltig. Überhaupt kann ich diese Gegner nicht entdecken und selbst Griechenland ist ja mit seinem einfallslosen Fussball weiter gekommen, was wohl eher an den griechischen Göttern, denn am können lag….Fussball sieht anders aus.
Bis auf Ghana und Nigeria wurde auch diesmal der afrikanische Fussball maßlos überschätzt. Die ewigen Favoriten scheiden aus und europäische Vereine können ganz Afrika leer kaufen, trotzdem bleibt der Fussball dort was er ist, unheimlich gut anzuschauen, aber wehe es läuft nicht. Schön allerdings, dass die afrikanischen Verbände auf abgehalfterte südamerikanische, oder europäische Trainer zum grossen Teil verzichten und dafür eigene ehemalige Spieler als Übungsleiter einsetzen.

Frankreich und Holland sehe ich als grosse Favoriten ebenso Belgien, die eine sehr überzeugende Leistung abgeliefert haben. Vielleicht wird aber Algerien die Ueberraschungsmannschaft. Natürlich bin ich auch gespannt auf das Abschneiden der deutschen Mannschaft, wobei das Auftaktspiel gegen harmlose Portugiesen die Leistungen verwässert haben. Ghana hat das Team mehr als gefordert und hätte den Sieg verdient. Bei den USA allerdings bin ich mir nicht so sicher und habe sie auch nicht auf der Rechnung, ebensowenig Brasilien. Es gilt aber das Prinzip, ab dem Achtelfinale muss man alles schlagen, damit man in’s Endspiel kommt, wer das sein wird, soviel sei verraten…Costa Rica und dann gibt es Freikaffee für alle 🙂 Im Endspiel schlagen sie dann die Schweiz und Frankreich spielt gegen Belgien um Platz 3, oder doch Holland.
Aber vielleicht gilt ja doch die alte Fussballweisheit des Gary Lineker, der den richtigen Satz sagte,„Fußball ist ein Spiel von 22 Leuten, die rumlaufen, und am Ende gewinnt immer Deutschland.“

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